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Doping im eSport
Doping - das Thema, das diesen Sommer die europäische Medienlandschaft beherrschte und gar das gefürchtete Sommerloch zu stopfen vermochte. Wer dachte, es mit der Tour de France endlich hinter sich zu haben, wird sich freuen, im Irrtum zu sein, denn auch im eSport wird geschummelt. Die Rede ist nicht von einem Testosteron-Pflaster am Klickfinger, sondern von Cheats. Ich habe mich für euch ausführlich mit dem Problem beschäftigt und in einem Interview mit einem Profispieler herausgefunden, wie man damit umgeht, wenn richtig viel Geld auf dem Spiel steht.


Déjà vu

Ein jeder, der online schon einmal ordentlich auf die Mütze bekommen hat, kennt das ernüchternde Gefühl. Ganz gleich, wie gut der Gegenspieler auch sein mag – SO gut kann er nicht sein. Ständig scheint er einen Schritt voraus, stets ein bisschen cleverer, immer schneller als man selbst, bis endlich die Überzeugung obsiegt, es handle sich um einen Betrüger. Einen Cheater! Es auszusprechen, wirkt wie tröstende Erleichterung. Die Formulierung der Hoffnung, nicht wieder derart versagt zu haben, legt sich lindernd auf das gerade erschlaffte Selbstbewusstsein und plötzlich macht alles einen Sinn: Dieser Mistkerl!

Ein typisches Szenario: Das Alter Ego von Spieler X liegt mit dem Gesicht im feinen Zuckersand irgendeiner Wüsten-Map. Das Letzte, was es sah, war das kurze Aufflackern des feindlichen Mündungsfeuers irgendwo am anderen Ende der Karte – ein Licht am Ende des Tunnels. Vom Gegner keine Spur. Gezielt haben kann dieser kaum, getroffen hat er trotzdem. Nur wie? Vielleicht war er einfach schneller? Schon möglich, aber ein wenig zu selbstkritisch. Das würde darauf hinauslaufen, dass man selbst zu langsam war – klingt gar nicht gut. Stattdessen könnten unerwartete Latenzprobleme für alles verantwortlich sein. Passt eigentlich immer. Und nicht zuletzt besteht die wohl wahrscheinlichste aller Möglichkeiten, dass der Schlawiner seinen Fähigkeiten mit unlauteren Mitteln auf die Sprünge geholfen hat. Aber woher denn – unlautere Mittel? Das klingt ja fast nach Doping. Doping im eSport? Doping im Radsport, okay, doch nicht bei uns im Internet. Wozu auch? Es geht doch um nichts, „ist schließlich nur ein Spiel.“ Doch das ist weit gefehlt.


eSport - Mehr als nur ein Spiel

Wer den modernen eSport in Bedeutung und Medienwirksamkeit noch immer unterschätzt, verkennt den Lauf der Dinge. „Zocken“ online ist mittlerweile fester Bestandteil östlicher und westlicher Alltagskultur und gipfelt in Massenspektakeln wie den World Cyber Games, bei denen bereits 2005 in Singapur 1,25 Millionen angemeldete Spieler um ein Gesamtpreisgeld von 2,5 Millionen US Dollar wetteiferten.

Süd-Korea hat aus dem inzwischen betagten Klassiker StarCraft: Brood War gar einen nationalen Volkssport gemacht, der Millionen begeistert. Professionelle Spiele füllen kleine Stadien, werden auf Videoleinwänden übertragen und wie Fußballspiele kommentiert. Die Protagonisten genießen Heldenstatus.




Quellen: www.esreality.com, www.fighterforum.com und img.interia.pl


Interludium - Der 26-jährige StarCraft-Spieler Lim Yo-hwan, bekannt unter dem Pseudonym SlayerS_`BoxeR’, nennt einen Fan-Club mit mehr als 600 000 offiziellen Mitgliedern sein Eigen. Seine Matches verfolgen über 2 Millionen Zuschauer via TV. Dass er nach seiner Einberufung ins koreanische Militär seine eSport-Karriere pausieren musste, tat seiner Popularität keinen Abbruch – ähnlich wie damals bei Elvis. Bei diesem kleinen Trailer handelt es sich um das offizielle Intro des „King of Drop“, dessen Shuttle-Panzer-Micromanagement vielfach kopiert wurde. Man beachte das hysterische Gekreische der weiblichen Fans am Ende des Videos, noch eine Parallele.




Quelle: YouTube.com


Es kann sich also als durchaus lohnenswert erweisen, gut Computer zu spielen. Nicht so im täglichen Amateurgeplänkel nach der Schule oder der Arbeit bei uns in Mitteleuropa. Wer hier betrügt, tut es, weil es so einfach ist und nur harmlose Konsequenzen nach sich zieht. Online-Dopingmittel kosten nichts und sind im Handumdrehen installiert. Cheat-Programme gibt es für fast jedes Spiel. Sie setzen dort ein, wo das menschliche Können aussetzt.


Von Anti-Recoils, Wallhacks und Aimbots

Cheats und Hacks scheinen heutzutage fast jede menschliche Schwäche im eSport kompensieren zu können. Sie sind die Ferrari kleiner Online-Männer. Allerdings kosten sie nicht annähernd soviel. Mit einem simplen Programm oder einem einfachen Script stehen dem Spieler Vorteile zur Verfügung, die den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen können.

Doch nicht immer handelt es sich bei zunächst unerklärlicher Stärke des Gegners tatsächlich um Betrug. In 95% aller Fälle ist er einfach nur besser. Zwischen dem marginalen Nachkommabereich der wirklich guten „Gamer“ und dem Gros des Durchschnitts liegen Welten. Jeden Anfänger, der tatsächlich glaubt, er könne online wie gegen die KI der Singleplayer-Kampagne vorgehen, wird in einem Spiel gegen einen guten menschlichen Spieler zwangsläufig das Gefühl beschleichen, er wäre das Opfer eines faulen Tricks geworden.

Es gibt jedoch auch Anzeichen, die auf die Verwendung von Cheats schließen lassen können. Nehmen wir uns die zwei berühmtesten Hacks für Ego-Shooter zur Brust und blicken einmal hinter die Kulissen.

Der Aimbot - Der Aimbot ist einer der ältesten und bekanntesten Cheats im Onlinegaming. Wem schon einmal das zweifelhafte Kompliment gemacht wurde, er benutze einen solchen, ohne dass das der Fall war, darf sich auch im Nachhinein geschmeichelt fühlen. Das kleine Programm garantiert einen sicheren Treffer, indem es das Fadenkreuz automatisch ausrichtet und, je nach Version, sogar selbst feuert. Der Spieler muss also nur noch laufen. Aufgabe genug für einen Cheater?
Ganz unentdeckt bleibt er jedenfalls selten. Einige Server bieten dem Zuschauer die Möglichkeit, das Geschehen nach dem eigenen Ableben durch die Augen anderer Spieler zu verfolgen. Spätestens dann verraten sich Benutzer eines Aimbots häufig dadurch, dass das Schießeisen stetig wackelt. Damit der Cheat funktionieren kann, müssen die Texturen der Spielfiguren verändert werden, beispielsweise durch grelle Farben. Die folgenden Screenshots zeugen von Aimbots in Battlefield 2.




Quelle: www.mashclan.co.uk


Der Wallhack – Wallhacks scheinen bisweilen beliebter als Aimbots zu sein, da sie den Nutzer nicht gänzlich entmündigen, sondern „nur“ entlasten. Sie ermöglichen dem Spieler, durch Wände und Gegenstände zu sehen und manchmal sogar zu schießen. Wallhacks gibt es in unzähligen Ausführungen. Einige Versionen entstellen die Spielgrafik derart, dass von „Grafik“ im eigentlichen Sinne keine Rede mehr sein kann. Andere vermitteln lediglich den Eindruck, das Ziel befinde sich vor, nicht hinter der Mauer. Der Cheat wird gerne in einem Multihack-Packet verwendet, das durch ein Radar und EPS ergänzt wird. In Counter Strike erkennt man einige Wallhacks an einem schmalen, schwarzen Streifen auf dem Screenshot.

Interludium - Die folgenden drei Schnappschüsse stammen vom Call of Duty-Sniper-Server des SOS-Clans, der ertappte Cheater in regelmäßigen Abständen offiziell anprangert.
Interessant ist die Umgebung: Der erste Screenshot erweckt den Eindruck, als würde der amerikanische Soldat halb-transparent vor der Kiste sitzen. Tatsächlich versteckt er sich dahinter. Der Zweite macht es offensichtlich: Der Feind hat sich nicht lebensmüde auf das Fensterbrett gestellt, sondern steht im Raum hinter der Mauer. Der dritte Screenshot zeigt einen sogenannten Multihack. Durch einen EPS-Cheat kann der Schütze erkennen, wo sich welcher Spieler auf der Karte aufhält. Die Namen der Gegner werden rot an der Position angezeigt, an der sich das Opfer befindet. Das grüne Radar oben rechts wird dadurch fast überflüssig.




Quelle: www.sosniper.com


Doch das ist längst nicht alles. Neben derart schonungslosen Betrugsmaschen existieren auch weitaus unauffälligere Cheats. Dazu zählt unter anderem der durch Encapsulated PostScript erzeugte Anti-Recoil, wodurch der Rückstoß und das dadurch bedingte Verziehen der Waffe verhindert wird. Auch Speedhacks, die ein schnelleres Laufen ermöglichen, und Flashhacks, die sichtverschlechternde Effekte durch Rauch- und Blendgranaten ausschalten, sind nicht immer gleich zu erkennen. Das macht die Sache so spannend.

Bedeutet das, dass man als ehrlicher Spieler den ganzen Ganoven schutzlos ausgeliefert ist? Muss man ständig fürchten, Opfer eines miesen Tricks zu werden und lohnt es sich angesichts dessen, eine handfeste Paranoia zu entwickeln? Die Antwort auf alle drei Fragen lautet „Nein!“ Cheats sind fast allerorts verboten und werden rigoros verfolgt. Das gilt nicht nur für die großen offizielle Ligen der ESL und CPL, sondern auch für viele kleine, einzelne Server. Extra entwickelte Programme helfen den Organisatoren dabei, Betrüger ausfindig zu machen. Und das System funktioniert. Allein im Juni entlarvte das eigens von der ESL entworfene Anti-Cheat-Tool Aequitas 100 Counter Strike-Spieler, die daraufhin sofort gesperrt wurden. Wie es genau funktioniert, will Programmierer Tilmann Felgner jedoch nicht verraten, um den Übeltätern immer einen Schritt voraus zu sein.
Ebenfalls sehr bekannt ist der in vielen Ego-Shootern enthaltene Punkbuster. Der registriert unerlaubte Programme, macht einen Screenshot und sendet diesen an den Betreiber des jeweiligen Servers. Bei den drei Wallhack-Bildern handelt es sich um solche Punkbuster-Screenshots. Wer beim Cheaten online erwischt wird, muss damit rechnen, dass sein Account gesperrt wird und ein zukünftiges Einloggen nicht oder nur auf bestimmten Servern möglich ist.


Wenn es ums Geld geht – SPEED-LINK|Trigger im Interview

Cheats werden also verwendet, wahrscheinlich jeden Tag auf vielen Public-Servern. Ob Counter Strike und Battlefield 2 von Electronic Arts oder Call of Duty von Activision - kein Shooter ist wirklich sicher. Man gewöhnt sich an diese Eventualität wie man sich daran gewöhnt, in der Straßenbahn angerempelt zu werden. Doch was passiert, wenn es um mehr geht als nur darum, sich nach Feierabend den Frust von der Seele zu ballern? Wie handelt man Betrug im eSport, wenn Turniersiege und vielleicht sogar viel Geld auf dem Spiel stehen?

Dann ist Schluss mit lustig, wie der jüngste Eklat der Counter Strike 1.6 Female Only 1on1 Amateur Series der ESL bewiesen hat. Dort sperrte die Administration die 20-jährige Jennifer Löhr alias Lunatic nach einem Spiel gegen s9kee für zwei Jahre. Der Grund: Die vermeintliche Verwendung eines Cheats. Obgleich Lunatic die Anschuldigung zurückweist, hält ihre Kontrahentin an den Vorwürfen fest. Eindeutig nachgewiesen wurde ihr nichts. Die Zuständigen entschieden aufgrund von Vermutungen, nachdem sie die Demos in Augenschein genommen hatten. Kein „Pinkeln Sie bitte dort hinein und lassen Sie uns zuschauen“, Dopingtests im eSport laufen anders. Dennoch nimmt man die Sache ernst.

Kein Wunder, es geht schließlich um etwas. Wer regelmäßig „zockt“ und sich in offiziellen Ligen versucht, möchte etwas erreichen. Das tägliche Training, oft über die Spaßgrenze hinaus, soll nicht umsonst gewesen sein. Niemand spielt nur des Spaßes wegen. So sieht man das auch im Counter Strike 1.6-Squad des österreichischen Clans Babylon eSport g. V., der ein knackiges Trainingspensum absolviert. Fünf Tage die Woche, vier oder mehr Stunden täglich. An einem Tag wird Theorie gepaukt, auch taktische Besprechungen stehen auf dem Stundenplan. Cheats sind für die Jungs um Teamleader Markus Fallmann alias Falli tabu. Dennoch gesteht er, selbst schon einmal gecheatet zu haben: „Ja, vor ein paar Jahren auf einem Public-Server, aber dann auch so offensichtlich, dass es jeder sehen konnte. Ich wollte es gar nicht verstecken.“ In offiziellen Spielen komme das natürlich nicht in Frage.

Vor allem nicht in professionellen Clans wie SK Gaming. Wer dort spielt, unterschreibt einen Arbeitsvertrag mit einer Klausel, die verlangt, den Clan nicht in Verruf zu bringen. Und was wäre rufschädigender als Betrug im eSport? Zuviel des Guten für die Babylonier: „Bei uns ist jeder für sich selbst verantwortlich. Und die Wahrscheinlichkeit, dass es auffliegt, ist so groß, dass es am Ende doch auf’s Team zurückfällt. Das möchte ja niemand. Erwischen wir jedoch jemanden beim Cheaten, hat das ernsthafte Konsequenzen.“, so Falli.

Ähnlich hält das der Call of Duty 2-Squad des Team SPEED-LINK, dem ein seriöses Auftreten besonders wichtig ist. In einem Interview verrät Michael Sowa alias Trigger, seines Zeichens einer der besten Call of Duty 2-Spieler Europas und regelmäßig für die Moderation von Live-Matches auf GIGA zuständig, was sich nach seinem Wechsel vom deutschen Clan OCRANA zum Werksteam verändert hat: „Bei OCRANA hatten wir Verträge unterschrieben, richtig. Nicht so beim Team SPEED-LINK. Dennoch legen wir besonders viel Wert auf ein freundliches Auftreten, was Cheaten ausschließt. Vertraglich abgesichert wurde das jedoch nicht. Es kann also niemand rechtliche Ansprüche erheben. Sollte dennoch jemand cheaten, ist derjenige sofort raus. Ich denke, das ist jedem klar.“

Interludium - Die Fotos zeigen Team SPEED-LINK bei der World Series of Video Games in Dallas. Die Jungs um Trigger (1. Bild, 2. von rechts) spielten gegen einige amerikanische Top-Teams, belegten einen guten vierten Platz und nahmen 2000 US Dollar mit nach Hause.




Quelle: team.speed-link.com


Dabei geht es auch in der nicht annähernd so populären Szene des Weltkriegs-Shooters um erhebliche Beträge. In Europa findet kaum eine größere LAN mit einem Preisgeld von weniger als 5000 Euro statt. Allein in diesem Jahr finanzierte SPEED-LINK schon zehn Events seiner Schützlinge. „Das Management hat viel Vertrauen zu uns. Dementsprechend hoch sind die Summen, die es in das Team steckt.“, weiß Trigger die Unterstützung zu schätzen. Dieses Vertrauen möchte das Team rechtfertigen.

Das bedeutet vor allem, mehr zu trainieren als die meisten anderen Clans der Call of Duty 2-Szene: „Wir haben hohe Ziele und sind sehr ehrgeizig.“ Nur die Tage Freitag und Samstag bleiben den Jungs als Fronturlaub. Wer schön sein will, muss leiden - wer gut sein will, erst recht.


Schon lange keine Grauzone mehr: Bugs im eSport

Cheaten im professionellen eSport meint im Übrigen nicht nur das Verwenden von Aimbots und Co., sondern schließt auch das „Bugusing“ mit ein. Wer Programmierfehler im Spiel zu seinem Vorteil ausnutzt, macht sich genau so strafbar, und Bugs sind keine Seltenheit. Dazu gehört beispielsweise das „Pixelwalking“, das nicht nur in der ESL verboten ist. Es ermöglicht dem Spieler, an Stellen zu sitzen, zu stehen oder entlang zu laufen, an denen sichtbar gar kein Boden existiert. Auch der in Counter Strike vorkommende Flash-Bug, der bewirkt, dass Gegner in einem übergroßen Umkreis geblendet werden, wenn die Granate an eine bestimmte Stelle geworfen wird, zählt dazu. Die folgende Bug-Compilation stammt von AK-men und zeigt ein paar der bekanntesten in den Spielen Counter Strike 1.6, Source und Call of Duty.



Counter-Strike Bugs - MyVideo


Quelle: MyVideo.de


Eine Grauzone? Von wegen! Geht es um mehr, wird direkt darauf hingewiesen. „Wenn jemand einen Bug benutzt, macht man ihn darauf aufmerksam. Tut er es wieder, muss man schauen, ob man Protest einlegt. Ein Cheat geht eben gar nicht, aber ein Bug kommt immer mal vor.“, erklärt Trigger. Es scheint also doch einen klitzekleinen Unterschied zu geben. Als Kavaliersdelikt kann Bugusing jedoch nicht bezeichnet werden. Die moralischen Richtlinien sind eindeutig geklärt. An einen beschwerdewürdigen Vorfall kann Michael sich nicht erinnern, obwohl es im wenig gepatchten Call of Duty 2 von Map-Fehlern nur so wimmelt. Die PAM-Mod, Pflichtmodifikation für CoD 2-ESL-Spieler, behebt die schlimmsten Programmfehler. Wer jetzt verbotenes Terrain besteigt, das nur ab einer bestimmten FPS-Rate zu erreichen ist, stirbt. Auch sogenannte „Nade-Jumps“, wie sie im Video von AK-men für Counter Strike zu sehen sind, unterbindet PAM in Call of Duty 2.

Interludium - Zu den drei folgenden Screenshots: Call of Duty 2, Carentan, zwei weitere Bugs. Durch das Zielfernrohr eines deutschen Scharfschützen sieht man einen amerikanischen Soldaten, der zwar in unsere Richtung guckt, seinen Feind aber nicht sehen kann, wie Screenshot 2 beweist. Chancengleichheit sieht anders aus. Im ersten Teil von Call of Duty fanden entlang dieser Straße noch spannende Sniper-Duelle statt. Heute meiden CoD 2-Spieler auf alliierter Seite den Platz hinter den Holzkisten intuitiv.
Das dritte Bild zeigt einen deutschen Soldaten an einem heiklen Ort. Abgesehen davon, dass man einem Tigerpanzer besser nicht auf der Nase herumtanzt, reicht ein weiterer Schritt, um von der PAM-Mod getötet zu werden. Ohne diese ist es möglich, von der Spitze der Kanone auf das dahinter liegende Dach des Anbaus zu hüpfen – allerdings nur für Spieler mit vielen Frames per Second.





Verheißt diese noble Einstellung des Teams SPEED-LINK gänzlich Cheat-freie Profilager? Nicht ganz. Kein Geheimnis ist, dass im Training der großen Clans durchaus gecheatet wird. Dort allerdings nur zu Analysezwecken und zur Vorbereitung auf die großen Spiele. So ist es möglich, die Laufwege der Gegner kennen zu lernen. Trigger nimmt auch dazu Stellung: „Natürlich weiß man, dass gerade in der EPS (ESL Pro Series) Nade-Trainer und Taktik-Trainer verwendet werden, aber in Call of Duty ist das noch nicht so extrem der Fall.“ Fünf bis sechs Mal im Jahr greifen die SPEED-LINK-Spieler dennoch auf die Möglichkeit zurück: „Wenn man vorher genau weiß, man spielt bei dem Event gegen das Team, besorgt man sich eine Demo. Mit ein paar Befehlen sieht man dann auch mehr, als man eigentlich sieht.“ Allerdings sei die Call of Duty 2-Engine nicht so weit ausgereift, dass das zum Alltag gehöre. „Wenn man mit einem echten Wallhack auf einem Server erwischt wird, steht man schnell auf der Masterbann-Liste.“, so Trigger. Stattdessen versuchen es die Jungs mit kleinen Config-Befehlen oder machen sich die Mühe, die Spieler einzeln zu studieren und Berichte zu verfassen.

Mit den Vorwürfen einzelner Online-Gegner, Team SPEED-LINK würde betrügen, geht Trigger gelassen um. Er zeigt sogar Verständnis: „Ja, das ist immer so eine Sache. Nicht jeder kennt SPEED-LINK. Wer sich in der Szene ein bisschen auskennt, weiß, wer wir sind, aber es gibt eben auch welche, die nur hin und wieder einen ESL-Kampf oder ein Clan-Match spielen und sich dann denken: Das kann ja gar nicht sein.“ Das Wesentliche spiele sich ohnehin auf LAN-Parties ab, auf denen ein Cheat sofort auffliegen würde.


Das Fazit: „Good luck, have fun und good game.“

Wenige Profis cheaten, dafür mehr Amateure. Obgleich es bei vier- und fünfstelligen Preisgeldern weitaus lohnenswerter erscheint, etwas nachzuhelfen, kommt Betrug vergleichsweise selten vor. Die Kontrollen sind strikt und haben im Gegensatz zu denen im Radsport tatsächlich eine abschreckende Wirkung. Zu leistungssteigernden Mitteln wird im Amateurbereich des eSports also vor allem deshalb häufiger zurückgegriffen, weil sie so einfach erhältlich sind und kaum jemand danach fragt. Wer weiß, wenn Papa EPO im Supermarkt kaufen könnte, würde er es vielleicht tun, um die nächste Fahrradtour mit der Familie ins Nachbardorf zu gewinnen.

Deshalb davon auszugehen, hinter jedem guten Online-Spieler verberge sich ein Cheater, wird der Wahrheit nicht gerecht. Bevor man mit einem derartigen Vorwurf vorschnell zur Stelle ist, sollte man sich lieber anderweitig abreagieren. Allen, die im Augenblick der Niederlage so gar nicht an sich halten können, sei hier die lustigste Alternative präsentiert, die mir beim „Zocken“ untergekommen ist. Auf die Aufforderung seines Peinigers, ihn doch einfach einen Cheater zu schimpfen, reagierte Wangus Rex beherrscht: „No, I’ll go and punch my sisters little kitten.“

Selbst der eSport hat seine Riten. Zu einem ordentlichen Spielchen gehört ganz selbstverständlich, dass man seinem Gegenspieler viel Glück und Spaß wünscht und sich am Ende der Partie für ein faires Miteinander mit „gg“ bedankt. Mit einem Cheat an Bord dürfte keine der Floskeln angebracht sein. Man beraubt sich selbst des gewünschten Glückes, wenn man den eigenen Erfolg durch „eDoping“ erzwingt und verdirbt zumindest dem Gegner den Spaß auf ganzer Linie. Ein „gutes Spiel“ wird es ohnehin nur werden, wenn alle Beteiligten ihr Bestes geben – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Ehrenvoll verlieren zu können, bedeutet vor allem, mit Anstand ins Gras zu beißen, wenn die Zeit gekommen ist.

Erstellt ... 13.08.2007
Autor ... Erlkoenig
Hits ... 4.706
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