Das Tor zur Hölle tat sich auf und ich hatte
Gelegenheit im Rahmen der GC mehrfach etwas Zeit in HellGate:London zu
verbringen. Meine Eindrücke und Erlebnisse möchte ich euch natürlich
nicht vorenthalten. Als immer noch begeisterter Diablo und Diablo2 Fan,
war ich natürlich besonders gespannt auf das neue Spiel von Bill Roper,
der ja bei Diablo bekanntlich auch eine nicht ganz unwichtige Rolle
gespielt hat. Jede Menge Lektüre und Bildmaterial haben mir im Vorfeld
auf jeden Fall genug Lust auf das Spiel gemacht.
Der Einstieg ins Spiel
Das aller Einsteig manchmal schwer ist, mag zutreffen. In Hellgate
trifft das jedenfalls nicht zu. Es geht los und schon steht man mitten
in der Action. Allerdings brauchte ich eine gewisse Zeit bis der
Spaßfaktor eintrat. Das Spiel ist auf den ersten Blick einfach so anders
als ein klassisches Hack&Slay RPG, dass ich Mühe hatte mich damit zu
identifizieren. Doch je länger man spielt, umso deutlicher werden, trotz
beeindruckender 3D Engine, die Verwandschaften mit der Diablo Reihe.
Schnelle Kämpfe, heftige Fights, aktive Monster, zufällige Levels,
zufällige Itemdrops und jede Menge Spaß, aber auch Herausforderung
direkt vom Start weg.
Die Grafik beeindruckt trotz des relativ frühen Stadiums des Spiels
bereits ziemlich. Mein erster Eindruck war allerdings nicht so positiv.
Es fehlte gewaltig an Leben in der Grafik. Doch hat man erstmal einige
Minuten gespielt, dann sieht man die Effekte, das Leben, zerstörbare
Items, Pflanzen am Wegesrand und die wirklich nett gestalteten Monster.
Feuer und Explosionen treiben zwar nicht im Bereich von BioShock oder
Crysis, sind aber sehr ansehnlich und vermitteln ein gutes Gefühl. Die
wenigen Karten, die ich in der kurzen Zeit spielen konnte waren alle
sehr ähnlich. Das in Akte unterteilte Spiel orientiert sich scheinbar
einmal mehr an Diablo, dessen Levels in den Akten auch sehr ähnlich
waren.
Auch die Auswahl an Monstern war trotz meines geringen Levels recht
beachtlich. Zombies, kleine Dämonen, größere Untiere oder nervige kleine
Kriecher, alle sehr liebevoll gestaltet, tummeln sich an allen Ecken und
Enden des jeweiligen Kampfgebietes. Teilweise zeigte sich schon die
mehrfache Verwendung von Modellen, so gab es normale Zombies und
Blutzombies, dies sich nur in der Farbgebung wesentlich unterschieden.
Größe spricht, im Gegensatz zu vielen anderen Spielen, nicht unbedingt
für Stärke oder höheres Level. Ein Questgegner ist beispielsweise ein
großes Monstrum, das buchstäblich von oben herab versucht einem den Rest
zu geben. Deutlich nerviger war aber ein kleiner, sehr schneller Dämon,
der mich mit heftigen Feuerbällen traktierte.
Die Jagd nach Items
Items, Items, Items. Wie bereits in Diablo und WoW wird die Jagd nach
Items wohl eine wesentliche Quelle der Spielmotivation sein. Selbst in
den niedrigen Bereichen in denen ich mich bewegen konnte, gab es eine
reichhaltige Auswahl von Waffen, Rüstungen, Healings, Runen,
Treibstoffen und technischen Upgrades. Wie üblich alle zufallsgeneriert
in gewissen Größen und Werten. Neben weißen und grauen Gegenständen,
konnte auch bereits blaue und grüne gefunden zu werden. Wie im weiteren
Verlauf des Spiels dann Epics oder Sets gekennzeichnet werden, bleibt
abzuwarten. Das es diese allerdings geben wird, davon gehe ich fest aus.
Ein schneller Blick durch die obligatorische UBahn Station, in der jeder
Spieler startet, zeigt schnell, dass es neben den vorhandenen ModSlots
der Waffen, einige weitere Möglichkeiten des Waffentunings gibt. So kann
man alle Items in ihre Bestandteile zerlegen und an einer speziellen
Station diese Teile mit der eigenen Waffe kombieren um neue, verbesserte
Eigenschaften zu bekommen.
Schon in der zweiten Station gibt es die Möglichkeit Items gegen Geld,
hier Palladium, in drei Stufen zu verbessern. Bekommt man fürs kleine
Geld dabei eine normale Verbesserung - auch gerne mehrmals - kostet ein
mittleres Upgrade schon richtig Knete. Die Aufwertung mit einer
einzigartigen Eigenschaft, wird wohl auch höherstufige Chars teuer zu
stehen kommen. Scheinbar hat man hier eine Möglichkeit gesucht und
gefunden, einen Teil des verfügbaren Geldes abzuschöpfen. Diablo2 Fans
werden sich erinnern, das man im Late Game nur so in Geld
schwamm.
Deutsche Übersetzung und Singleplayer
Die deutsche Lokalisierung war sichtbar noch nicht komplett. Am
auffälligsten waren wohl die meist fehlenden Zeilenumbrüche in den
Questtexten. Was an Gegnern und Items bereits überstzt war, klang
sinnvoll. Ein typisches "Igitt - wer hat sich denn diese Übersetzung
ausgedacht" Erlebnis kam nicht vor. Dies macht Hoffnung, dass auch die
deutsche Version die Spieler später nicht mit unsäglichen Übersetzungen
quälen wird.
Die gespielte Version war eine Singleplayerversion. So kann man leider
nichts zum Multiplayer sagen. Auch ist es nicht möglich Aussagen zum PvP
System des Spiels zu treffen. Aber wenn man die PvE Kämpfe in Betracht
zieht, muß man sicher schnell sein, wenn man im PvP eine Chance haben
will. Instant Kills sind vor allem bei den Schwertklassen am Anfang an
der Tagesordnung. Das wird sich aber im Verlauf des Spiels und gerade im
Late Game sicher relativieren.
Angriff der Schwertklassen
Ganz persönlich habe ich beide Schwertklassen und den Scharfschütze
angespielt. Wächter und Schwertmeister nur recht kurz, aber genug um
Spaß mit beiden zu haben. Besonders der Schwertmeister entwickelt sich
recht schnell zu einem klassischen Damagedealer. Einmal über Level 6
hinaus kann er, je nach Skillung, zwei Schwerter tragen. Ab diesem
Zeitpunkt wird es wirklich übel für die Gegner. Genau wie bei Diablo2
kann man beide Maustasten mit verschiedenen Spells oder Angriffen
belegen. Also Links normaler Angriff und rechts als Alphaspell eine Art
Rundumschlag. Auf die Dämonen fertig los. Einmal angreifen, dann zwei,
drei Rundumschläge bis die Energie aus ist. Meistens reicht das aber
auch für die Dreier- oder Vierer Gruppen, die einem in diesem Bereich
des Spiels begegnen. Klassiches Hack'n'Slay eben.
Im Zuge der Vorbereitungen unserer Anspielaktionen in der EACT Lounge
begannen wir damit die einzelnen Klassen auf etwas höhere Stufen zu
spielen, damit die Community Vertreter auch die Chance hatten mehr zu
sehen als nur das erste Level. Als altgedientem Shooterspieler fiel mir
dabei die Aufgabe zu einen Scharfschützen auf Stufe 10 zu bringen.
Scharfschütze? Kann sein, man kann ihn auch als Sniper spielen, aber
meine Skillung waren Granaten und Schnellfeuer. Dies ergab in der Summe
folgendes Vorgehen. Monster sehen, Granate werfen, abknien und
Dauerfeuer. Die überwiegende Anzahl der Mobs konnte mich nicht
erreichen, sie waren schlicht vorher in die ewigen Jagdgründe
eingegangen. Den Rest erledigt der extreme nette Schnellfeuerskill, der
eine gewissen Zeit lang der reine Bleispucker ist. Ich glaube dieser
Spell schiebt in den ersten Sekunden mehr Kugeln durch den Lauf, als die
hinter mir sitzenden Crysis Spieler durch ihre mehrläufige Gatlingkanone
bekommen konnten.
Der Spielfluss
Einmal weiter ins Spiel vorgedrungen, wachsen sich die Gegner zu Horden
von 4 bis 8 Monstern aus. Versucht man mit dem Schwertmeister wenig
Aufmerksamkeit zu erregen und die Gruppen zu teilen, so ist dies mit dem
Wurf der obligatorischen Handgranate beim Scharfschützen ein
Wunschtraum. Also hat man immer direkt die ganze Horde am Hals. Dies
sorgt, wohl auch durch meine aggressive Spielweise, für derartig viel
Fun, das es schon fast nicht mehr schön ist.
Wie auch bei Diablo2 hat man trotzdem die ganze Zeit das Gefühl, puhh -
das war knapp. Das Spiel ist knackig ohne wirklich in Frust auszuarten.
Das Wiederbelebungssystem, welches ich nach einigen zu optimistischen
Angriffen das eine oder andere Mal benutzen musste, lässt einem die
Wahl. Man kann in der letzten Station beginnen, am Beginn des Levels
oder sich direkt am Ort wiederbeleben. So kann man bei allzu
optimistischer Beurteilung des Gefechtslage immer die Auswahl treffen
sich erstmal langsam wieder an den Feind zu tasten oder direkt in die
Action zurückzuspringen. Im Vergleich zu den, auf jeden Tod
unvermeidlich folgenden, Laufwegen in WoW ist dieses System eine
Wohltat.
Skills und Spezialisierung
Auch bei den Skills des Scharfschützen bietet sich eine breite Auswahl
zur Spezialisierung. Mehr Damage pro Kugel, mehr Feuerrate oder mehr
Fächendamage dank diverser Granaten. Oder eben eine gute Mischung. Ich
denke wir werden im LateGame eine Menge völlig unterschiedlicher
Scharfschützen sehen. Meine persönlich Wahl: Granaten und viel Blei. Das
bringt entschieden Spaß beim Alleinespielen. Allerdings ist ein voll auf
Granate geskillter Char dieser Klasse sicher im Multiplayer die perfekte
Ergänzung einer Gruppe als Nuker. Bereits in den unteren Levels kommt
beipielsweise aus dem Napalm Skill eine ganze Menge Area Damage heraus.
Spannend wären sicher auch Gruppen aus Marksman mit gleicher oder
unterschiedlicher Skillung. Die Mobs sollen ja im Multiplayer mit der
Stärke der Gruppe in Anzahl und eigener Stärke wachsen. Dann wird das
schnell zu einer Art StarShip Troopers für Dämonen ausarten.
Eine weitere Möglichkeit der Spezialisierung liefern auch die Waffen des
Scharfschützen. Hier hat man die Auswahl zwischen diversen
Waffensystemen, die sich grundlegend unterscheiden. Zweihändiges Gewehr
mit hoher Damage- und Feuerrate, effektiv bei direkten Treffern. Oder
lieber zwei Pistolen mit langsamer Feuergeschwindigkeit und dafür mehr
Damage. Oder ein Gewehr, welches per Gift oder Feuer Damage auf die
Fläche macht. Und dazu gibt es dann noch Kombinationen aus beiden. Da
sollte doch für jeden Geschmack etwas dabei sein. Zudem kann man bis zu
vier Waffensets anlegen und per F1 bis F3 direkt im Kampf umschalten. So
kann man den dicken Raketenwerfer für den langsamen, aber starken Boss
ebenso mit sich führen, wie eine Schnellfeuerversion für kleine, flinke
Gegner.
Schlussresümee
Insgesamt liefern die Flagship Studios mit Hellgate London wohl einen
ziemlichen Volltreffer ab. Ein Gerne-Mischmasch aus RPG, Hack'n'Slay,
Shooter, Massive Multiplayer, Singleplayer mit vielen Elementen und
Anlehnungen an die Diablo Reihe, deren würdiger Nachfolger es, ein
anderes Szenario vorausgesetzt, sein könnte. Bereits die vorliegende
Version, die sicher alles andere als fertig oder komplett war,
vermittelt eine Menge Spielspaß und sogar der alte Diablo Suchtfaktor
klingt bereits mit Stufe 10 oder 11 schon wieder durch. Die solide
Engine des Spiels lief auf der GC sehr gut und wusste durch Detailtreue,
gute Effekte und ansprechende Grafik zu betören. Auch wenn die
Einstiegsschwelle etwas höher liegen mag, ich kann nur empfehlen etwas
Zeit zu investieren, der Spaß ist es wert.
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