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Severity - Die eierlegende eSport Wollmilchsau?: Die Perspektive



Zugehörige News: => Severity - Die eigerlegende eSport Wollmilchsau?


Die Frage nach der Perspektive?


Nach diesen vollmundigen Ankündigungen fragen wir uns im ausgehenden Jahr 2006, was uns hierbei an "Revolution" erwartet, bzw. was sich uns mit SEVERITY bieten wird. Da man scheinbar angetreten ist, CS & Co vom Thron zu stoßen, müssen die Anstrengungen wirklich ernsthaft sein. Wie ernsthaft, zeigt die Einladung von Angel Munoz (President der CPL) zur "Games Developers Conference" - ein bisher nie dagewesener Vorgang! Da sich mit der CPL und ihrem eigens gegründeten Entwicklungsstudio aber erstmals eine Liga mit den "Großen" der Spieleentwicklung messen will, ist diese Entscheidung allerdings nur folgerichtig. Schließlich tritt die CPL bzw. deren Studio mit ihrem Projekt SEVERITY in den Kreis der Spieleentwickler ein.

Sind die Ankündigungen um die "eSport Revolution" eine Bürde oder eine Chance? Schauen wir doch mal, was man so alles zwischen den Zeilen extrapolieren kann...

Ansage aus dem Off

Am Rande der CPL 2006 Finals kündigte John Romero in seiner Funktion als Vorsitzender des CPL Advistor Board SEVERITY erstmals offiziell als das "Ultimative FPS für Team- und Solo Matches" an. Der Mann, der im gleichen Atemzug dies bewerkstelligen soll, ist nicht weniger bekannt: Tom Mustaine!

=> John Romero: Severity Angekündigt

Mit Tom Mustaine hat man sich einen offensichtlich erfahrenen "Insider" an Bord geholt, der eine interessante Liste an Spielen im Repertoire hat. Bei näherem Betrachten zählen sich die eSport relevanten Erfolge jedoch fast auf Null und auch bei Titeln wie "CounterStrike: Condition Zero", "Heavy Metal FAKK 2" lassen sich Begriffe wie "Nachbau" und "Flop" nur schlecht zerreden. Man muss hier schon die Frage stellen, ob Mustaine für einen so früh schon unter Erfolgszwang stehenden "eSport-only Shooter" eine gute Wahl ist. Dass sich dieses Projekt bereits in der Ankündigung zum Maßstab macht, steht außer Frage.

Nunja..wie wir bei Battlefield sagen würden: Es kommt aufs Team an! Hier darf sich Mustaine noch beweisen. Zehn Entwickler hat er um sich versammelt und auf 20 wird bald "aufgestockt" um das anspruchsvolle Projekt umzusetzen. Auch sollen hier die Meinungen und Vorschläge der eSport-Community stark mit einfließen - man will ja gerade diese mit dem Titel überzeugen können! Hier liegt ein erster Knackpunkt: Die "Meinung" einer Community ist leider selten so konsistent, als dass man hiervon absolute Werte ableiten könnte. Es ist also anzunehmen, dass sich die "Communitynähe" auf ausgewählte (Pro-)eSportler beziehen wird - was andere Entwickler gleichfalls versuchen zu leisten. Da die Idee aus einer Liga heraus geboren wurde, ist man aber diesbezüglich mit den vermeintlich kürzeren Kommunikationswegen zu den eSport-Stars und Sternchen besser aufgestellt als andere Entwickler. Da die Ausrichtung für sich spricht, ist auch die Relevanz dieser "Communityaussagen" sicherlich höher gewertet als reines Entwicklerdenken. Aber auch hier ist bis zum Beweis des Gegenteils erst mal der Klang des Arguments vorrangig vor der Ausführung.

Spielmodi

Bei den Spielmodi an sich bleibt ebenfalls ein fader Beigeschmack von "Take the Best - drop the rest". Getrennt wird in einen 1on1 und einen Team vs. Team Bereich. Die beiden Spiel-Teile von SEVERITY sollen sich sowohl in der Physik als auch im Gameplay komplett voneinander unterscheiden. Wie die Kollegen von ESR-News aber richtigerweise mit Blick auf das Konzept vermuten, wird es für den 1on1-Teil bei Quake-typischen, beim 5on5/Team-vs-Team bei CS-typischen Spielelementen bleiben. Anders wäre eine prinzipielle Verschmelzung dieser beiden Communities auch wohl nicht möglich, als über eine simple In-Game-Spieltyp Trennung.

Es gilt also folglich "erfolgreiche Konzepte in neuer Verpackung"? JeiN!

Man sollte sich hier die Frage stellen: Was ist heutzutage noch "Genuine". Ein erfolgreiches Konzept wird mit anderem Namen gern recycelt - Das ist gewissermaßen Usus in der Spieleentwicklung, auch wenn die "Developer" gern anderes behaupten. Abgesehen von der reinen 1:1 Kopie ist dieses Prinzip auch nicht absolut verwerflich. Letzten Endes kommt es darauf an, ob der Community die Umsetzung gefällt - was letztendlich "hinten raus kommt". Hier gilt es wieder positives anzumerken: Ist die "Zusammenarbeit" dem Wort getreu direkt zur Community gerichtet, kann das nur gut werden - oder?

Spiele-Engine & Kompatibilität

Die Grundlagen des Titels sind bewährte Hausmannskost. Die Quake3 Engine ist vielleicht nicht mehr 100%ig up to date. Highres-Grafiken und renderqualitatives Gameplay auf höchsten Settings sucht man aber bei eSportlern sowieso eher mit der Lupe. Die FPS (Bilder pro Sekunde) sind ein Mittel zum Sieg, nicht die bestmöglichste Darstellung! Sowohl der "Netcode" als auch das Client-Server Modell werden von Quake3 übernommen. Eine bis dato unbeschriebene "ID Render Software" soll noch einige Extras drauflegen. Laut Aussagen von Mustaine wird das Game aber explizit auf "...älteren Rechnern laufen..." und für High-End PCs zusätzliche Effekte bieten. Eine gute Ansage an die Hardwarebasis, die hierbei weg vom "immer Besser", hin zur Funktionalität geht. Eindeutig ein PRO-Argument für den möglichen Erfolg, welches auch schon dem Comicstyle-Shooter WARSOW zu Diensten war. Grafik ist Trumpf - aber nicht im eSport!

Und sonst so?

SEVERITY wird auf Konsolen und PCs entwickelt. Wie Mustaine in einem Interview mit FiringSquad verriet, ist man in "interessanten Gesprächen" mit Microsoft um den XBox360 Live Anywhere Modus. Dieser würde einen direkten Schlagabtausch von PC und Konsolenspielern erlauben - natürlich nur auf der XBox360 ;) Eine durchaus interessante Vorstellung - nicht nur, weil die CPL damit die immer noch eher "kleine" FPS-eSport-Community auf eine breitere (Verkaufs-)Basis stellen könnte.

Das Setting des Spiels - was Layout, Levels und Waffen betrifft - soll ein Mix aus "Modern Warfare" und "Zukunft" sein. Damit ist man nicht zu abgedreht, lässt sich aber ein Hintertürchen für das ein oder andere Goodie offen. Es wird KEINEN Singleplayer geben, es soll aber eine KI integriert werden, die den Spielern ein BOT-Offlinetraining ermöglicht. Die Erwartungen können sich also an den "Standards" orientieren.

Publisher wurde noch keiner gefunden - man sei aber schon bei vielen die AGBs durchgegangen. Ziel sei es, den Titel auch nach dem Release frei mit Inhalten und Support versorgen zu können. Allerdings muss man wohl einen eher risikobereiten Investor finden, da ein "eSport-Only" Projekt auf Vertriebsbasis viele Risiken und wenige, wirklich sichere Einnahmequellen bietet. Eine Finanzierung über die Eintrittskarten seitens der CPL könnte der Sache unter Umständen einen schlechten Anstrich in der Community verpassen.

Free for all ! ?

Das wichtigste: Die CPL hält anderen Ligen oder Turnieren den Titel nicht vor. Es wird kein CPL-exklusives Game...man könnte aber gewisse "Bedingungen" aus dem Zitat heraushören.
Zitat:
The CPL will use Severity for tournaments but it will not be its exclusive game. The CPL also won't prevent other gaming tournaments from using the game if they choose

Wie und ob und überhaupt wird man aber frühestens in einem Jahr zum Release der Demo erfahren dürfen.

FAZIT

Da bisher kaum ein Spiel ein von Grund auf für eSport entwickelter Titel war - "Communityprojekte" wie WARSOW oder speziell angepasst Titel wie "Quake 3 Arena" mal ausgenommen - musste sich fast jedes neue Spiel erst im Laufe seines "Lebens" zum eSport-Hit mausern. Die Prämisse "eSport Only" von Anfang an und als einzigste Leitlinie für SEVERITY, ist als Herangehensweise von der "anderen Seite" möglicherweise ein Schritt in die richtige und - auch für den Hersteller- erfolgversprechende Richtung.
Ein Spiel, das nicht mit dem teilweise stark reglementierten "Beiwerk" normaler Titel zu kämpfen hätte und das dazu noch den Nerv der Community trifft, könnte in der Tat ein Meilenstein für den (professionellen) eSport werden. SEVERITY ist dahingehend scheinbar gut aufgestellt - sofern man das aus den wenigen Infos sagen kann und man in die Aussagen von Munoz und Mustaine das Gewicht legt, welches sie damit wohl herstellen möchten. Dem Erfolg und der Sinnhaftigkeit des Projekt steht auch noch eine ganz banale Frage gegenüber: Wollen die Spieler überhaupt eine eierlegende Wollmilchsau, wenn die anderen Tiere der Stallung "eSport" ihre Aufgaben perfekt erfüllen? "Können" bedeutet also noch lange nicht "Müssen" und SEVERITY wäre nicht das erste Projekt, welches auf dem Weg stecken bleibt. Lassen wir uns also überraschen, ob der Titel den Vorschusslorbeeren gerecht werden kann, ob wir mit dieser frühen Extrapolation sogar noch tiefgestapelt haben oder ob der Titel samt Engagement am Ufer der etablierten eSport-Titel durch ein gebrochenes "Sinn & Akzeptanz-Ruder" strandet.

[Extrapolation closed]

Erstellt ... 29.12.2006
Autor ... Hummel-o-War
Hits ... 3.986
Kommentare ... 0
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