
Erste Sowjet-Mission
Nach dem durchschlagenden Erfolg von
Tiberiumkonflikt, war es abzusehen, dass Westwood sich sputen würde, einen Nachfolger heraus zu bringen, bevor der Hype abgeklungen war – also noch vor Tiberian Sun, das für den Sommer 1998 angekündigt war. So erschien im Jahre ´96 Alarmstufe Rot, das, auch wenn es storytechnisch zunächst einmal ganz woanders spielt, unter dem Franchise Command & Conquer verkauft wurde. In Deutschland wurde es aus Marketing-Gründen sogar als Command & Conquer 2 verkauft, was jetzt zu einiger Verwirrung führt, weil Tiberium Wars auch in Deutschland C&C 3 heißen wird. Es handelt sich allerdings nicht um einen Nachfolger, sondern vielmehr um ein Prequel (also um die Vorgeschichte von Tiberiumkonflikt). Das Szenario stellt eine Art alternativen 2. Weltkrieg (bei dem die Sowjets Europa überfallen) dar, greift aber auf zahlreiche Fantasie-Technologien zurück. Grafisch hat sich nicht viel geändert, es gibt jetzt eine Windows-Version des Spiels mit einer höheren Auflösung (640x480) und grafisch besseren Menüs, ansonsten sieht das Spiel aber identisch aus, außer dass es jetzt Schnee- statt Wüstenkarten gibt (Graslandschaften gab es aber weiterhin). Viele Einheiten und Gebäude aus Tiberiumkonflikt wurden recycelt, unter anderem diverse Panzer oder auch der Geschützturm. Aber es gab auch viele Neuerungen in diesem Sektor, so wurde mit der Tesla-Spule eine Verteidigungsanlage mit Kult-Status geschaffen und es gab frei steuer- und baubare Seeeinheiten (etwas, was es bisher nur in der Alarmstufe Rot-Serie gegeben hat). Auch wurde mit dem Geplänkel-Modus der Mehrspieler-Modus auch für Einzelspieler zugänglich gemacht, die hier auf zahlreichen Karten gegen die KI antreten konnten. Ein weiterer Neuzugang war, dass es neben den Atomraketen auch taktische Superwaffen für beide Seiten gab. Auch spielte der Rohstoff in dem Spiel (Erz bzw. Rubine) eine wesentliche geringere Rolle und wirkte auch nicht tödlich auf die eigenen Soldaten.
Wie schon Tiberiumkonflikt war auch Alarmstufe Rot schwierig zu meistern. So sorgten besonders Indoor-Missionen, bei denen man mit wenigen Einheiten unter hohem Zeitdruck agieren musste, für viel Frust (es blieb der einzige Teil mit dieser Art von Missionen). Da die Kampagnen mit jeweils vierzehn Missionen zudem ziemlich umfangreich waren, konnte man einmal mehr für Wochen im Kämmerlein verschwinden.
Die Zwischensequenzen und die Musik sorgten wieder einmal für eine grandiose Atmosphäre. Der rockige Titel „Hellmarch“ ist der beliebteste der C&C-Geschichte und wird auch in Amerika teilweise heute noch im Radio gespielt. Aber auch die eher ruhigen Tracks kamen gut an und sorgten für echtes Winterkampf-Feeling. Dieses stellte sich im Allgemeinen während des Spiels ein und stellte einen Gegensatz zur Weltuntergangsstimmung von Tiberiumkonflikt dar. Auch dieser Teil von C&C war wieder ein durchschlagender Erfolg und verkaufte sich weltweit millionenfach.
Kuriositäten am Rande: In Deutschland erschien nach Tiberiumkonflikt auch Alarmstufe Rot mit diversen Zensuren. Obligatorisch war, dass alle Soldaten und Zivilisten Roboter bzw. Cyborgs waren. Daher verstoßen die Sowjets mit dem Angriff auf griechische Dörfer auch nicht gegen die Genfer Konventionen, sondern gegen die Cyborg-Kriegsregeln, was für den ein oder anderen Lacher gesorgt haben dürfte. Auch bei den Videos fielen wieder zahlreiche Szenen der Schere zum Opfer. So fehlt z.B. im Anfangsvideo die eigentlich völlig unblutig ablaufende Ausschaltung Hitlers. Zudem vermisste man in der Sowjet-Kampagne zahlreiche Abschluss-Videos, die einfach durch ein Logo-Video ersetzt wurden (Im Original bekam man unter Anderem ein Erschießungskommando und den angedeuteten Überfall der Sowjets auf ein Dorf zu sehen). Ebenfalls schien das Lied Hellmarch den Jugendschützern zu kriegstreiberisch zu sein, so dass alle Marsch-Geräusche heraus geschnitten werden mussten.
Als bisher einziger Teil der gesamten C&C-Serie bekam Alarmstufe Rot mit Gegenangriff und Vergeltungsschlag gleich zwei Add-Ons, die beide im Jahr 1997 erschienen. Bei der Entwicklung der Mehrspieler-Karten wurde Westwood übrigens von den Londoner Intelligent Studios unterstützt. Beide Add-Ons boten wie schon die Erweiterung für den Tiberiumkonflikt keine neue Kampagne im eigentlichen Sinne, sondern lediglich diverse auswählbare Missionen ohne Videos. Dafür boten beide Add-Ons neue Musik-Titel. Gegenangriff setzte mehr auf Mehrspieler-Karten und bot leider keine neuen Einheiten, für die Missionen wurden lediglich einige Einheiten ein wenig modifiziert. Vergeltungsschlag hingegen bietet ein großes Sammelsurium an neuen Spielsachen, die aufgrund ihrer großen Beliebtheit auch zu einem großen Teil in Alarmstufe Rot 2 zurückkehrten.

Playstation-Verpackung
Der kommerzielle Erfolg war wohl so groß, dass man die Fühler auch nach anderen Systemen ausstreckte und das Spiel 1998 für die Playstation herausbrachte. Diese bietet neben dem Originalspiel auch beide Add-Ons und spendiert den dazugehörigen Missionen auch die vermissten Briefing-Videos. Bei der Alliierten Kampagne bekommt man dabei sogar General Carville zu sehen, der in Alarmstufe Rot 2 eine bedeutende Rolle spielt. Da die Steuerung aber eher unglücklich und der Schwierigkeitsgrad durch die fehlende Möglichkeit, innerhalb einer Mission zu speichern, extrem hoch war, beließ man es dabei und brachte außer einer N64-Version von Tiberiumkonflikt keine Konsolen-Portierungen mehr heraus. Für Tiberium Wars soll es aber wieder eine geben. Diese soll ein innovatives Steuerungskonzept bieten und man wird vermutlich beliebig speichern können.
Weitere Kuriositäten am Rande: Nach den geheimen Dino-Missionen in Tiberiumkonflikt bekam man mit Gegenangriff und der Playstation-Version ebenfalls geheime Bonus-Missionen dazu. Dieses Mal rückte man gegen Riesen-Ameisen, die man auch auf einigen Mehrspieler-Karten antraf, zu Felde. Das Spiel enthält zudem einen interessanten, oft angesprochenen Fehler: Durch den Eingriff in den Verlauf der Zeit müssten die politischen Grenzen der Länder eigentlich die von 1918/19 (nach dem Versailler Vertrag) sein, im Spiel sind aber die aus den 90er-Jahren des 20. Jahrhunderts zu sehen. Für alle Spieler, die immer bemängeln, dass Generals keine C&C-Packung sei, weil kein Gesicht auf ihr abgebildet ist: Die amerikanische Version der Alarmstufe Rot 1-Verpackung enthält im Gegensatz zur deutschen kein Commander-Gesicht, sondern zeigt wie ein alliierter Longbow-Hubschrauber einen sowjetischen Panzer angreift – die Szene, die auch im Kurzintro zu sehen ist.
Im Jahr 2000 und damit wieder genau ein Jahr nach dem letzten Tiberium-Teil erschien Alarmstufe Rot 2. Statt jedoch den Prequel-Charakter von Alarmstufe Rot 1 zu bewahren und die Geschichte weiter zum Tiberiumkonflikt überzuleiten, spann man den Verlauf des Krieges zwischen Sowjets und Alliierten weiter. Nachdem Tiberian Sun in der Community bis heute eher umstritten ist, so ist Alarmstufe Rot 2 wohl einer der beliebtesten Teile. Statt auf die Düsternis des Krieges wie Alarmstufe Rot 1 zu setzen, setzte diese Fortsetzung vielmehr auf Spaß und sollte den Spieler zum Schmunzeln bringen. Waren die vorherigen Zwischensequenzen eher selten und dann manchmal auch unfreiwillig komisch und glänzten in dem Falle durch latente Situationskomik oder gesellschaftliche oder Mediensatire, so waren die Videos nun ein Feuerwerk von Gags. Viel Dialogkomik, aberwitzige Situationen, aber auch Anspielungen auf Propaganda von USA und UdSSR im Kalten Krieg, ließen Spieler vom Stuhl fallen. Im Spiel selbst schlug man entsprechend in die gleiche Kerbe. Es gab zahlreiche seltsam anmutende Einheiten, wie die Mirage-Panzer, die sich als Bäume tarnen konnten oder steuerbare Riesentintenfische, die gegnerische Schiffe umklammerten. Entsprechend gestalteten sich auch die Umgebungen, die wesentlich heller und bunter als in bisherigen C&C-Teilen waren. Auch kämpfte man jetzt in zahlreichen detailliert nachempfundenen Großstädten, statt in Gebieten, die nur vom Namen her an ihre Originale erinnerten. Verwendet wurde die gleiche Grafik-Engine wie in Tiberian Sun. Dies führte dazu, dass die schon ein Jahr zuvor leicht altbackene Grafik nun eindeutig nicht mehr auf der Höhe der Zeit war. Hier schien sich einfach der Trend von Westwood abzuzeichnen, dass man mehr auf Atmosphäre, als auf Grafik setzte. Diese war wieder einmal großartig und sorgte mit mitreißender Rockmusik, die mit skurrilem Techno abgewechselt wurde, für ein sehr einzigartiges Spiel-Gefühl. Spielerische Neuerungen waren aber wieder einmal rar gesät, so war es jetzt möglich, zivile Gebäude mit Soldaten zu besetzen und die für den Bau von Einheiten benötigte Seitenleiste wurde leicht bearbeitet und war nun in Untergruppen unterteilt.

Zerstörung der Freiheitsstatue
Als (neben Renegade) bisher einziger Teil erschien Alarmstufe Rot 2 wohl wegen seiner satirischen Elemente komplett ungeschnitten. Wohl das einzige Mal in der bisherigen C&C-Geschichte durfte auch jeder deutsche Spieler mit menschlichen Soldaten zu Felde ziehen. Auf ein Ereignis war allerdings auch Alarmstufe Rot 2 nicht vorbereitet: Den 11. September. Nach den Angriffen auf das World Trade Center und das Pentagon geriet das Spiel in den USA in die Kritik und wurde auch für einige Wochen aus den Läden verbannt. Die Auslieferung des auf Ende 2001 angesetzten Add-Ons Yuris Rache wurde um Monate verschoben. Kritisiert wurde das Anfangsvideo, in dem man sehen kann, wie sowjetische Truppen u.a. New York überfallen und die Freiheitsstatue zerstören. Auch war es möglich, diverse amerikanische Großstädte komplett zu zerlegen (auch wenn der spielerische Nutzen gleich 0 war) und in der ersten Sowjet-Mission musste man sogar das Pentagon zerstören, das ja am 11.9. angegriffen worden war. Verboten wurde das Spiel allerdings nicht – in Amerika ist man mit so etwas eben lockerer als hier (solange es nicht um Sex geht).

Ein Yuri-Stützpunkt
Anfang 2002 erschien dann mit großer Verspätung das Add-On
Yuris Rache. War schon das Original-Spiel sehr auf Humor ausgelegt, so legte man dieses Mal noch einen drauf. Besonders der Schauspieler des Sowjet-Premier Romanow scheint sich für nichts zu schade zu sein und so gab es wieder viel zu lachen. Verstärkt wurde das durch eine weitere Neuerung: Jede Einheit hatte jetzt einen eigenen Sprecher und ihre eigenen zynischen Kommentare. Dies bewirkte, dass so mancher Spieler minutenlang nur auf Einheiten rumklickte, um die Sprüche, die seine Untergebenen zum Besten gaben, zu hören. Das erste und bisher einzige Mal in der C&C-Geschichte bot Yuris Rache eine komplett neue Partei: Yuri. Dieser hatte zwei normale Panzer und ansonsten sehr spezielle, meist leicht verrückte Einheiten. Online gespielt wird das Spiel übrigens auch heute noch verhältnismäßig viel.
Es ist nicht ganz klar, ob sich am Spiel (z.B. an den Missionen) durch den 11. September etwas geändert hat, sicher ist nur, dass die brennenden Häuser und der Hollywood-Schriftzug von der Verpackung verschwanden, auch wenn diese sowieso nur klein am unteren Rand zu sehen gewesen waren.