Am Sonntag hat es hinter den Kulissen der Spielepublisher offensichtlich ordentlich gerumpelt: Electronic Arts machte ein Angebot von 2 Milliarden Dollar zur Übernahme des Publishers Take-Two Interactive! Dieser ist allen sicherlich bekannt durch sein sehr spezielles ROCKSTAR Entwicklerstudio, welches aktuell gerade den vierten Teil der Grand Theft Auto Serie entwickelt. Mit 26 Dollar pro Aktie (aktueller Wert: ~18 Dollar) ist dies ein sehr hohes Einstiegsangebot. Take-Two Chef Strauss Zelnick sieht das naturgemäß etwas anders: Man würde hier den Wert der Firma unterschätzen. Sprich: Take-Two lehnt das Angebot ab.
Warum sollte man die Nachricht an dieser Stelle jetzt noch weiter ausführen? Nun, damit ist eine Übernahme noch nicht vom Tisch. EA bot schon am 19. Februar einen Ausgleichswert von 25 Dollar pro Aktie, hat sein Angebot also gestern nochmals erhöht, was zu einer Gesamtsumme von mehr als 2 Milliarden Dollar führt. Die Verhandlungen laufen schon seit Dezember letzten Jahres. Die Informationen stammen aus einem offengelegten Briefwechsel zwischen EA CEO John Riccitiello und Take-Two Boss Strauss Zelnick.
Damit dürfte dieses "Angebot" nun auch für alle Take-Two Aktionäre interessant werden, da vorher der Preis nur zwischen den beiden Verhandlungspartnern ausgetauscht wurde. Sollten diese den gebotenen Betrag als attraktiv ansehen, wäre Strauss Zelnick schnell in einer schlechten Verhandlungsposition. Einfach gesagt, könnte EA sich theoretisch in die Aktienmehrheit einkaufen.
..das führ uns zu was?
Dennoch sollte alles mit äußerster Vorsicht bedacht werden. Take-Two hat einige Klagen (Hot Coffe Mod) anhängig, benötigt Geld und ist gerade in einer schwierigen Umstrukturierung begriffen, allerdings wäre das Portfolio mit dem Haupt-Hoffnungsträger GTA4 für Electronic Arts recht schmal. Wie die ganze Sache ausgeht, ob dies nur eines der üblichen Geplänkel zwischen großen Publishern ist, muss erst noch abgewartet werden.
Auch bei Take-Two: EA's neuer Kurs
EA CEO Riccitiello hat in seinen zurückliegenden Statements am Rande des D.I.C.E Events (
Quelle) bereits eine Kehrtwende der EA Politik beschrieben. Habe man mit Firmen wie Westwood noch den Fehler gemacht, sie zu assimilieren, würde man nun darauf achten, die kreativen Einheiten nicht aufzubrechen und die Studios in ihrer strukturellen Gesamtheit zu erhalten. Bestes Beispiel ist die zurückliegenden Übernahme von Bioware/Pandemic. Beide Studios bestehen und arbeiten frei an ihren Projekten (Mass Effect für PC / Saboteur). Die Entwicklungsleiter beider Firmen betonten erst kürzlich am Rande der GDC, dieses positive Verhältnis zu schätzen.
Zitiert heißt es im Briefwechsel:
Zitat:
"Our all-cash proposal is a unique opportunity for Take-Two shareholders to realise immediate value at a substantial premium, while creating long-term value for EA shareholders," (...)
"Take-Two's game designers would also benefit from EA's financial resources, stable, game-focused management team, and strong global publishing capabilities."
Dies könnte eventuell auch dem Take-Two Entwickler-Zugpferd ROCKSTAR (GTA4) gefallen. Denn, wie die NYTimes sinngemäß ausdrückt, ist ohne dieses Element die Firma kaum mehr als eine Hülle. Was nach einer möglichen, theoretischen und in keinem Punkt gesicherten Übernahme mit den Lables 2K, 2KSports und 2KPlay würde, ist somit noch genauso Spekulation wie der Ausgang des ganzen Verfahrens.
Quellen