 Ist eSport Sport? Was unterscheidet den virtuellen vom realen Schlagabtausch und muss eSport überhaupt dem Namensvetter nacheifern? Diese und viele weitere Fragen stellten sich die geladenen Geäste der 5. International eSport Conference in Köln schon am ersten Tag der Veranstaltung. Im Workshop konnte man mit Special Guests und geladenen Professoren diskutieren und die möglichen Antworten finden. Ein weiterer Arbeitskreis beschäftigte sich mit der Frage, ob es eine Yellow Press in der eSport Berichterstattung gibt. Das Resultat war interessant.
Yellow Press im eSport? Segen oder Fluch?
So stellten die versammelten eSport Vertreter fest, dass sich der virtuelle vom realen Journalismus doch in einigen Punkten wohltuend unterscheide. Im Gegensatz zur „Yellow Press“, die uns mit oft schmieriger Meinungsmache und Berichten direkt aus dem Privatleben der Stars zum Kauf überreden will, wird im eSport Journalismus nach wie vor auf (inszenierte) Skandale verzichtet um Auflagen oder Leserzahlen zu steigern. Wichtiger, so waren sich alle einig, sei hier, exakt, neutral und umfassend zu informieren. Hinzuerfunden wird nichts, ein möglichst detaillierter Bericht ist dennoch die Prämisse. Natürlich liegt dem auch die relative Größe der Community zugrunde. Oft kennt man sich unter Journalisten und Spielern persönlich. Dies, so die Diskussionsrunde, stelle die Berichterstattung gleichfalls auf eine ganz andere Basis als im Realen. Privatleben und Privaträume sind unter allen Beteiligten ein strenges Tabu. Es interessiere keinen, ob Star X vor einem großen Turnier den Absturz in einer Bar erlebte und es sei in Bezug auf das Spiel auch von keinerlei Relevanz.
Das Fazit: Der eSport Journalismus hat keine Yellow-Press Anwandlungen, ist ehrlicher und setzt auf hohe Community Bindung. Der Wettbewerb der eSport Portale liege nicht darin, den größten Skandal ins Rollen gebracht zu haben, sondern die fundiertesten, informationsreichsten Interviews und Specials zu präsentieren um User zu überzeugen.
Ist eSport gleich Sport?
Die Frage ist wohl so alt wie der eSport Gedanke selbst. In den letzten Jahren nimmt die Randerscheinung „eSport“ zwar immer mehr die Form eines echten Sports mit Verbänden und Dachorganisationen an, doch, so die anwesenden Wissenschaftler, sei abschließend nicht geklärt, ob man den eSport per Definition mit Sport gleichstellen könne. Schließlich vereine das virtuelle Phänomen viele physische und psychische Elemente des realen Sports. Vor allem der starke, soziale Bindungscharakter ist sowohl dem einen, als auch dem anderen zu Eigen und kann nicht wegdiskutiert werden. Doch, so das Resümee, dies sei mehr ein Problem der Akademiker, die einfach noch keine feststehende Aussage gefunden haben – weniger für diejenigen, die sich mit dem Thema in Ligen oder als Teilnehmer auseinander setzen. Ein anwesender Redakteur (Michal "Carmac" Blicharz, SK-Gaming) fragte richtigerweise in die Runde, warum denn der eSport überhaupt beweisen müsse, dass er Sport sei - und nicht umgekehrt
So wurde im Workshop und später bei der Ergebnisbesprechung schließlich die Frage aufgeworfen, ob eSport denn unbedingt mit aller Macht als Sport definiert werden müsse oder ob der virtuelle Wettkampf nicht aus den zugrundeliegenden Eigenschaften selbst für sich stehen könne. Braucht man erst ein Olympia um eSport als Sport zu sehen? Sicher nicht – hier herrscht durchaus Konsens.
Was der eSport aber braucht, ist mehr Aufmerksamkeit. Hier sucht man aktiv die Unterstützung von Regierungen und offiziellen Kommitees. Schließlich ist zwar ein Olympia nicht nötig, eine Anerkennung durch das IOC wäre dem eSport an sich aber sicherlich dienlich – egal ob letztlich als Sport im klassischen Sinne definiert oder nicht. Für die kommenden Olympischen Sommerspiele in Peking durfte ein koreanischer Spitzen-eSportler sogar schon am Fackellauf teilnehmen, während die nationalen Olympischen Kommitees hierzulande und anderswo den eSport noch lange nicht anerkannt haben.
Warum der virtuelle Wettkampf immer noch „hängt“, habe zudem viele Ursachen. Vor allem die noch fehlende Strukturierung sei ein Stolperstein. Während jeder Investor und auch der Markt (sowie schlussendlich ein nationales oder internationales Olympiakomittes - NOC und IOC) sich im realen Sport an eine FIFA oder an den DFB wendet (und vor allem auch jeder Bundesbürger, ob fußballinteressiert oder nicht, diese Organisation zumindest vom Namen kennt), ist eine solche feste Struktur im eSport weder national noch internationel bisher etabliert. Mehrere Projekte, darunter z.B. nationale eSport Projekte wie der deutsche ESB oder international die Profiteams (organisiert im G7) existieren zwar, haben aber noch nicht zu einer gemeinsamen Struktur gefunden. Dies, so die anwesenden Vertreter später, soll eine Aufgabe der nächsten Wochen und Monate werden. Zumindest eine gemeinsame EU-Organisation soll schon im Laufe des Jahres entstehen! Die internationale Aufgabe geht man bereits an, diese sei aber ungleich schwerer zu lösen.
Fazit: eSport muss nicht unbedingt Sport sein, kann diesen aber darstellen – je nach Betrachtung. Wichtiger sei aber, dass die eSport Organisationen in sich zu einer nach außen sichtbaren und kommunizierbaren Struktur finden und die Wahrnehmung und die Aufmerksamkeit im "Massenmarkt" erhöht wird.
Sprich: Wenn wir hier in den News also irgendwann sagen können, dass der wie auch immer benannte EU Dachverband „dasunddas“ beschlossen habe und jeder Leser, egal ob voll oder nur am Rande eSport interessiert etwas mit dem Namen anfangen, oder drüber schimpfen kann, dann ist dieser Schritt wohl gelungen und der eSport nicht mehr all zu sehr eine Randgruppe innerhalb der Randgruppe eines bestimmten Spiels von vielen.
...Fortsetzung folgt!
Lest demnächst auch den zweiten Teil unserer Berichterstattung. Am zweiten Tag lauschten wir einigen sehr interessanten Vorträgen, die sich unter anderem mit den oben genannten Fragen en Detail beschäftigten, aber auch neue Perspektiven eröffneten. Wie entwickelte sich der eSport in Polen trotz schlechter Ausgangspositionen, was machen Aimbots vor Gericht und wie erreicht man den Wendepunkt im eSport? Stay tuned...! |